6:3 im Stadtderby

Neun Tore bei Sommerwetter

„Das war ein völlig verrücktes Fußballspiel“, entfuhr es Kai Olzem nach 90 intensiven und torreichen Minuten, um das eine oder andere graue Haar reicher. Für die etwa 300 Zuschauer war es ein packendes und sehr attraktives Landesliga-Spiel – vor allem nach dem Seitenwechsel. Die Gäste hatten nach einem ersten Kopfball der Turner gleich zwei richtig dicke Möglichkeiten, doch Timo Keul im Tor der Braun-Weißen behielt zwei Mal in der Anfangsphase die Nerven gegen Tom Krömer und Dennis Borucki. Auch Lammes Schlussmann Florian Schneider passte auf, entschärfte die fiese Kopfball-Bogenlampe von Marvin Fricke. 

Den Torreigen eröffnete Julian Bräunig nach einer feinen Flanke von Kevin Hintersdorf per Kopf (34.). Kurz darauf kombinierten sich die Turner sehenswert bis in den Strafraum, wo Damir Vrancic auf den langen Pfosten Maß nahm und unhaltbar auf 2:0 erhöhte (39.). Die Halbzeitgespräche sahen Lamme schon als klaren Verlierer nach Hause fahren. Sean Krebs und seine Jungs sahen das anders. Der Trainer der Germania wechselte zur Pause doppelt, brachte Dominik Wald und Yvon Goune für Feysel Demir und Jakob Talko. Die mutige Art der Gäste wurde schnell mit dem Anschluss belohnt. Dabei zeigte sich Tom Krömer schlitzohrig und traf (52.). Auf der anderen Seite scheiterte Ebeling mit einer Direktabnahme im Fallen. 

Das Spiel nahm immer mehr Fahrt auf. Nach einer Ecke köpfte Ebeling zum Tor, Schneider war da, parierte den Ball jedoch zu Fricke, der per Kopf auf 3:1 stellte (60.). Eine angefälschte Bogenlampe sorgte auf der anderen Seite zwei Minuten später für das 3:2 durch Borucki (62.). Lamme war jetzt drauf und dran, dem Tabellenführer weh zu tun. Als Nico Müller kurz darauf auf 4:2 stellte, war die Partie immer noch nicht entschieden, weil Yannis Fischer bei einer Kopfball-Rückgabe seinen Keeper Timo Keul an der falschen Stelle wähnte. Krömer sprintete durch und konnte mühelos das 4:3 erzielen (75.). Die Fehler der Olzem-Elf häuften sich. Beinahe wäre Goune der Ausgleich gelungen, weil sich Fricke und Keul nicht einig waren (78.). 

Vrancic entscheidet das Spiel

Jetzt übernahm Damir Vrancic mit all seine Erfahrung die Verantwortung. Ähnlich wie einst in Ingolstadt verwandelte der 33-Jährige Ex-Profi einen Freistoß direkt (82.) und legte dann per Flanke den 6:3-Endstand vor, bei dem Fricke im Zentrum leichtes Spiel hatte und seinen zweiten Treffer an diesem Tag erzielte (84.). 

„Wir hatten richtig gute Chancen zum Anfang und da muss sich der Gastgeber nicht beschweren, wenn wir davon mindestens einen machen, wenn nicht sogar zwei“, erklärte Lamme-Coach Krebs nach dem Spiel im Gespräch mit regionalSport.de. Der Knackpunkt sei jedoch ein anderer gewesen: „Wir waren dran. Wir sind wieder rangekommen und dann haben wir es nicht geschafft, dranzubleiben. Das war der Knackpunkt!“ Man habe die Turner ein wenig ins Wanken gebracht. „Ich bin unendlich stolz auf die Mannschaft. Auch, wo du denkst, vom Spielstand her geht nichts mehr, haben sie nicht aufgegeben. Am Ende haben wir verdient verloren“, konstatierte Sean Krebs. 

„Individuelle Patzer gut weggesteckt“

„Drei Gegentore zuhause sind deutlich zu viel, auch die Art und Weise wie wir sie schlucken, darf so nicht passieren“, kritisierte Kai Olzem, musste nach der Achterbahnfahrt erst einmal durchatmen. Die groben individuellen Schnitzer seiner Mannschaft ärgerten den Trainer. „Eine Mannschaft wie Vorsfelde hätte das gnadenlos ausgenutzt und dann spielst du hier unentschieden“, so Olzem, der Lamme einen großartigen Fight zusprach, dann aber auch sein eigenes Team lobte, „dass sie diese Patzer so gut weggesteckt hat und dann immer wieder die passende Antwort darauf gefunden hat.“

Für Damir Vrancic, der heute herausragte, hatte Olzem ein Extralob parat: „Er verleiht unserem Spiel eine richtig gute Struktur und ist Dreh- und Angelpunkt. Und dass er Freistöße schießen kann, wissen wir nicht erst seit 2013“, grinste Olzem. „Ich freue mich einfach für ihn, weil: der Mensch Damir Vrancic ist einfach unglaublich. Er ist immer höflich, immer fleißig und sein Leben ist immer noch auf diesen Sport ausgerichtet. Dass ein Fußballer, der so viel schon erreicht hat in seinem Leben, hier immer noch so selbstverständlich als Vorbild vorweg geht, ist nicht selbstverständlich!“

 

Zahlen & Fakten

Freie Turner: Keul, Schreyer, Fricke, Fischer, Hintersdorf, Vrancic, Bräunig, Bollonia, Ebeling, Müller (75. Kaupert), Ardic Trainer: Kai Olzem/Kosta Rodrigues

TSV Germania Lamme: Schneider, Talko (46. Wald), Lakaschus, Demir (46. Goune), Borucki, Bock, Elsner, Weisser, Wieczorek, Eggers, Krömer (80. Löffler) Trainer: Sean Krebs

Torfolge: 1:0 Julian Bräunig (34.), 2:0 Damir Vrancic (39.), 2:1 Tom Krömer (52.), 3:1 Marvin Fricke (60.), 3:2 Grazian Borucki (62.), 4:2Nico Müller (65.), 4:3 Tom Krömer (71.), 5:3 Damir Vrancic (82.), 6:3 Marvin Fricke (84.)

Quelle Regionalsport.de

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